Aber wer alternative Wertvorstellungen hat, der weiß es gibt eine Differenz, eine Differenz der Überzeugung. Und aus dieser Differenz da kann dann genau der Wille zum klaren Blick, zum klaren Urteil erwachsen.

–Peter Steinbach - 16min

Hh 001: Der deutsche Widerstand im Dritten Reich

Auf den deut­schen Wider­stand berie­fen sich, wäh­rend der Wie­der­be­waff­nung bei­der deut­scher Staa­ten, sowohl die Bun­des­wehr als auch die NVA – wenn auch auf andere Akteure des Wider­stands. Es gab nicht den deut­schen Wider­stand, es gab viele ein­zelne Akteure die aus sehr unter­schied­li­chen Moti­ven kämpf­ten. Allen gemein war, dass sie sich unter Ein­satz ihres Lebens gegen das Regime der Natio­nal­so­zia­lis­ten wandten.

Mein ers­ter Gesprächs­part­ner im Homo his­to­ri­cus ist Peter Stein­bach. Er ist Lei­ter der Gedenk­stätte Deut­scher Wider­stand und Pro­fes­sor für Neuere und Neuste Geschichte in Mann­heim. Lei­der kam es bei der Auf­nahme zu einem ziem­li­chen Miss­ge­schick. Ich habe mit mei­nem Com­pu­ter die fal­sche Spur und damit fälsch­li­cher­weise das interne Mikro­fon auf­ge­zeich­net. Dadurch ist die Auf­nahme lei­der sehr ver­rauscht gewor­den. Amy hat lie­ber­weise in mühe­vol­ler Arbeit das gesamte Gespräch tran­skri­biert (An die­ser Stellte noch­mals vie­len vie­len Dank!). Ihr könnt das Gespräch also auch wahl­weise nach­le­sen. Ich freue mich über Kri­tik und Anre­gun­gen. Viel Spaß beim Anhö­ren des Podcast.

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Show­no­tes:

Und zum Schluss die inter­es­sante Frage „Was wäre wenn der Wider­stand Erfolg gehabt hätte?” vom Geschichtsblog


Tran­skript:

Frank:
Hallo, will­kom­men zur ers­ten Aus­gabe des Homo his­to­ri­cus, schön dass ihr zuhört!

Lei­der ist mir direkt zur ers­ten Auf­nahme ein ziem­li­ches Mal­heur pas­siert. Mein Com­pu­ter hat die fal­sche Spur auf­ge­zeich­net, und des­we­gen nur mit dem inter­nen Mikro­fon gear­bei­tet. Dadurch ist die Auf­nahme lei­der ziem­lich ver­rauscht gewor­den. Amy hat net­ter weise das gesamte Gespräch tran­skri­biert. Ihr könnt es also auch auf der Home­page lesen, falls es wirk­lich zu schlimm sein sollte.

Trotz alle dem fand ich das Gespräch sehr inter­es­sant mit Herrn Stein­bach und wün­sche euch viel Spaß beim Zuhö­ren. Danke! #00:00:36#

[Intro Musik] #00:01:16.2#

Frank: Herz­lich Will­kom­men zur ers­ten Epi­sode des Homo his­to­ri­cus! Ich sitze heute hier in Mann­heim mit Herrn Stein­bach. Das ist der Lei­ter der Gedenk­stätte Deut­scher Wider­stand und Pro­fes­sor hier an der Uni­ver­si­tät. Schö­nen Guten Tag #00:01:31.3#

Stein­bach: Ich grüße Sie! #00:01:36.1#

Frank: Am bes­ten Sie stel­len sich erst ein­mal selbst kurz vor und warum Sie über­haupt Geschichte stu­diert haben, letzt­end­lich oder Poli­tik­wis­sen­schaft und dann Geschichte sich spe­zia­li­siert haben, damit man erst­mal einen Ein­druck bekommt. #00:01:47.4#

Stein­bach: Ja, ich heiße Peter Stein­bach. ich bin Jahr­gang 1948 und ich habe von 1968/69 bis 1972 in Mar­burg Geschichte und Poli­tik­wis­sen­schaft stu­diert, bei bedeu­ten­den, wun­der­ba­ren, sehr sehr guten aka­de­mi­schen Leh­rern wie Ger­hard Oestreich, Karl Christ, Wolf­gang Abend­roth, dem Ökono­men [Karl Paul] Hen­sel, Ernst-Otto Czem­piel, Wal­ter Schle­sin­ger… Also das war damals in Mar­burg ein unglaub­lich anre­gen­des intel­lek­tu­el­les Klima. Eigent­lich ganz anders als das dann vor kur­zem Ulrich Traut in der FAZ beschrie­ben hat. Denn es war ein Klima des Aus­tau­sches, der Nach­denk­lich­keit, des Enga­ge­ments, viel­leicht auch manch­mal der Erpro­bung Gren­zen. Aber wir hat­ten eigent­lich immer Hoch­schul­leh­rer, die uns erst nah­men als Stu­die­rende und uns im Grunde auch als Part­ner sahen. Also die Gemein­sam­keit von For­schung und Lehre war immer zu spü­ren. Wich­tig war natür­lich die Begeg­nung mit Wolf­gang Abend­roth, dem wir als Stu­die­rende sehr bewun­der­ten, weil wir wuss­ten, er ist ein abso­lut unab­hän­gi­ger Intel­lek­tu­el­ler, der sich auch durch irgend­wel­che poli­ti­schen Vor­ga­ben nicht ein­en­gen lässt. Da konnte Ernest Man­del ein Rede­ver­bot in Deutsch­land haben. Wolf­gang Abend­roth lud ihn ein und dis­ku­tierte mit ihm hin­rei­ßend. Da konnte es ihm auch pas­sie­ren, dass er Par­tei für die­je­ni­gen nahm, die die poli­ti­schen Stu­die­ren­den damals eher für Rechte hiel­ten, weil er sagte auch für die Rede­frei­heit die­ser Men­schen setze er sich ein. Wich­tig war für ihn Bere­chen­bar­keit. Und dann wurde uns zuneh­mend eigent­lich bewusst, dass Wolf­gang Abend­roth diese klare Hal­tung eigent­lich Zeit sei­nes Lebens gezeigt hatte. Also er wurde bewun­dert von uns, weil er sogar im bri­ti­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger noch ein­mal ein­ge­sperrt wor­den war. Ein­fach aus Unab­hän­gig­keit er öffnete eigent­lich den Blick für die Breite des Wider­stan­des, für die Breite des Faches […] und ver­mit­telte so etwas was mich eigent­lich immer am Wider­stand fas­zi­niert hat; dass er nicht immer nur Unter­stüt­zung sei­nes Glei­chen suchte, son­dern ja dadurch zu cha­rak­te­ri­sie­ren war, dass er auf den Aus­tausch mit ande­ren mit gegen­tei­li­gen Mei­nun­gen ange­legt war. Und so erfuhr ich eigent­lich in der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Wider­stand was eigent­lich Plu­ra­li­tät bedeu­tete, näm­lich Respekt vor der Mei­nung ande­rer, die man nicht dif­fa­miert, son­dern die man ver­sucht zu ver­ste­hen und die man als Her­aus­for­de­rung an sich selbst begreift. Und das war eigent­lich dann nach der Schul­zeit, wo ich mich auch schon sehr inten­siv mit zeit­ge­schicht­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen beschäf­tigt habe, der Augen­blick wo man in einem the­ma­ti­schen Kreis trat, der einen dann nicht wie­der los­ließ. Inso­fern ist also die Beschäf­ti­gung mit dem Wider­stand ein guter Teil mei­nes wis­sen­schaft­li­chen Lebens gewor­den. #00:05:44.1#

Frank: Gut, dann sind wir auch schon direkt beim Thema. Das Thema der aktu­el­len Aus­gabe ist „Akteure und Arten des deut­schen Wider­stan­des” Ich denke dafür ist es sinn­voll wenn zuerst ein­mal das Wort Wider­stand defi­nie­ren, was Wider­stand ist und dann wie sich das im Ver­hält­nis zum Staat über­haupt ver­hält. #00:06:04.7#

Stein­bach: Wenn Sie mir diese Frage als ers­tes stel­len, zeigt das, dass Sie ein sehr poli­to­lo­gisch den­ken­der Mensch sind. Wir ver­su­chen natür­lich zunächst ein­mal zu defi­nie­ren und wir machen uns häu­fig gar nicht klar, dass Defi­nie­ren auch bedeu­tet Aus[zu]grenzen. Das hat man in der Wider­stands­ge­schichte sehr oft getan. Ich ver­suchte einen ande­ren Weg zu gehen. Ich ver­suchte ein inte­gra­les Wider­stands­ver­ständ­nis zu ent­wi­ckeln, d.h. nicht immer nach poli­ti­schen Rich­tun­gen, nach poli­ti­schen Sym­pa­thien zu fra­gen, son­dern in den Blick zu neh­men, wel­ches Risiko Men­schen ein­ge­gan­gen sind, in dem Moment in als sie sich gegen den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Staat gewandt haben. Also Risiko, die Bereit­schaft ein Risiko ein­zu­ge­hen, gehört dazu. Dann habe ich irgend­wie in der Aus­ein­an­der­set­zung mit der Faschis­mus­theo­rie gelernt, dass es viel­leicht gar nicht so wich­tig sei, theo­re­tisch einen Gegen­stand zu defi­nie­ren, son­dern zunächst ein­mal es dar­auf ankomme, ihn mög­lichst dif­fe­ren­ziert in sei­ner gan­zen Breite, Viel­fäl­tig­keit, auch Wider­sprüch­lich­keit zu beschrei­ben. Die beste Theo­rie, auch das hat Wolf­gang Abend­roth mal gesagt, ist eigent­lich die Beschrei­bung eines Phä­no­mens und dar­aus lei­ten wir dann Abs­trak­tio­nen und Defi­ni­tio­nen ab. Ich glaube zum Wider­stand gehört die Fähig­keit die Rea­li­tät, die einen umgibt, zu erken­nen, sie sich nicht schön zu reden, son­dern sie zu ver­su­chen zu erken­nen wie sie ist, auch mit dem gan­zen Unrecht, das in der Rea­li­tät ver­bor­gen ist. Der zweite Schritt ist, dass ein Regime­geg­ner, ein Wider­stands­kämp­fer, die Fähig­keit haben muss, sich über das was er sieht, gege­be­nen­falls auch zu empö­ren. Empö­rungs­fä­hig­keit ist eine ganz wich­tige Vor­raus­set­zung für Wider­stän­dig­keit. Und die dritte Ebene, das berührt dann im Grunde das Ver­hal­ten der Men­schen, d.h. aus der Empö­rung über Unrecht, das man beob­ach­tet hat, muss im Grunde auch eine Ver­hal­tens­kon­se­quenz gezo­gen wer­den. Man muss sich gegen den­je­ni­gen wen­den, der Unrecht begeht, der Men­schen­rechte ver­letzt und das kann man nur machen, indem man nicht nach sei­ner eige­nen Per­son fragt. #00:08:44.1#

Frank: Was mei­nen Sie jetzt „nicht nach sei­ner eige­nen Per­son fragt”?
#00:08:46.1#

Stein­bach: Dass man nicht nach den Fol­gen fragt, die für einen selbst aus die­ser Auf­leh­nung resul­tie­ren und dann sind wir natür­lich bei einer Radi­ka­li­tät des Schau­ens, des Bewer­tens, des Den­kens und des Ver­hal­tens. Bei einer Radi­ka­li­tät, die von der eige­nen Per­son, ich sage das noch ein­mal, absieht und dabei im Grunde auch keine Rück­sicht mehr auf das unmit­tel­bare Umfeld nimmt – auf die Eltern, auf die Ehe­frau, auf die Kin­der. Man han­delt ganz kon­se­quent und weil idR die­ses Han­deln schief­geht, fragt man auch nicht nach den Chan­cen die­ses Han­delns. Son­dern: man muss sich eigent­lich bewei­sen, man will sich bewei­sen in der Auf­leh­nung über die Tat […] und damit stößt man natür­lich zusam­men mit einem Staat, der durch seine Defi­ni­ti­ons­macht und durch sein Gewalt­mo­no­pol, das er bean­sprucht, auch die Sank­ti­ons­macht hat, die­ses Abwei­chende Ver­hal­ten zu kri­mi­nia­li­sie­ren und zu bestra­fen. Und dann sind wir im Grunde mit­ten in einem Kräfte­feld, das besteht aus Staat, aus Gesell­schaft und aus Indi­vi­duen. Also aus einem Drei­ecks­ver­hält­nis als einem Kräf­te­ver­hält­nis, das sich per­ma­nent ver­schiebt. Mal ist der Staat wich­ti­ger, mal ist die Gesell­schaft mäch­ti­ger, und manch­mal ist das Indi­vi­duum viel stär­ker als beide ande­ren zusam­men weil es die bei­den ande­ren Fak­to­ren in die Schran­ken wei­sen kann. Das ist ein span­nen­des Thema, das weit über die Bedeu­tung der Wider­stands­ge­schichte hin­aus­geht und eigent­lich unser Ver­hält­nis zur Welt heute in einem ganz erheb­li­chen Maß mit beschreibt. #00:10:51.9#

Frank: Nun stelle ich es mir aber rela­tiv schwer vor, jetzt im Nach­hin­ein die Wider­stands­kämp­fer & –kämp­fe­rin­nen zu betrach­ten, weil die­ses Span­nungs­ver­hält­nis lässt sich ja sehr schwer nur ana­ly­sie­ren bzw. nicht wie­der­er­le­ben, aber mit ein­be­zie­hen in die Betrach­tung davon [lässt]. #00:11:08.7#

Stein­bach: Naja, in dem Moment wo ich frage „Wie sieht eigent­lich der Freun­des­kreis aus, wie sieht der Kreis der Gleich­ge­sinn­ten aus, wie sieht der Kreis der Kol­le­gen, Kame­ra­den oder der Fami­lie aus”, ent­wi­ckel ich ja ein Gespür für das Risiko, das der Ein­zelne ein­ging, und die­ses Risiko muss ich zunächst ein­mal posi­tiv bewer­ten an sich. D.h. ich frage nicht „Tritt der für die rich­ti­gen Ziele ein? Tritt der für die fal­schen Ziele ein? Ist es ein Anar­chist? Ist das ein Kom­mu­nist? Ist das ein Sozia­list? Ist das ein Anar­chist?” Son­dern: Ich sehe eigent­lich das Indi­vi­duum in der Kon­fron­ta­tion mit einer kol­lek­ti­ven Macht. Ver­sinn­bild­li­chen lässt sich das, worum es mir geht, etwa an dem berühm­ten Photo, in dem Carl von Ossietzky, der […] Chef­re­dak­teur der Welt­bühne, vor sei­nem Pei­ni­ger steht im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ester­we­gen und man spürt, der Herr der Situa­tion, auch wenn er aus­ge­lie­fert ist, ist Ossietzky. Ossietzky hat ein leich­tes Lächeln auf dem Gesicht und gibt dadurch zu ver­ste­hen, dass er eigent­lich über sei­nem Pei­ni­ger steht. #00:12:33.1#

Quelle: Bundesarchiv Bild 183-R70579

Quelle: Bun­des­ar­chiv Bild 183-R70579

Frank: Wür­den Sie dann so klas­si­sche Ein­tei­lun­gen nach Arten des Wider­stands, im Sinne von der Moti­va­tion — also, ich habe häu­fig die Ein­tei­lung gese­hen, z.B. kom­mu­nis­ti­scher Wider­stand, reli­giö­ser Wider­stand usw. — wür­den Sie das eigent­lich eher ableh­nen? #00:12:51.6#

Stein­bach: Das dumme ist, man kommt in ein Dilemma. Diese Ein­tei­lung dient ja auch der Legi­ti­ma­tion von Grup­pen, die sich heute in die Tra­di­tion die­ser Bewe­gung stel­len. Das Pro­blem ist, wir benut­zen diese fast Linné-hafte Ein­tei­lung in Kate­go­rien um Tra­di­tion zu stif­ten. Wir schnei­den durch diese Ein­tei­lung eigent­lich die Ent­wick­lungs­fä­hig­keit von Regime­geg­nern ab. Wir tun so, als ob der kom­mu­nis­ti­sche Regime­geg­ner immer kom­mu­nis­tisch gewe­sen sei und immer geblie­ben wäre.

Wir tun so, als ob der pro­tes­tan­ti­sche Regime­geg­ner immer pro­tes­tan­ti­scher Auf­müp­fi­ger war und nie die Gefähr­dun­gen der Anpas­sung aus Über­le­bens­wil­len an sich gespürt hätte. Des­halb möchte ich eigent­lich Lebens­ge­schich­ten beschrei­ben, weil ich fest davon über­zeugt bin, dass selbst der här­teste, der unbe­irr­barste Regime­geg­ner nie­mals gewa­ckelt hat, immer sich auch gefragt hat wie kommt er aus die­ser lebens­be­droh­li­chen Situa­tion her­aus, immer wie­der kon­fron­tiert wor­den ist mit der Her­aus­for­de­rung an sich, ob er nicht doch mal einen Kom­pro­miss ein­ge­hen kann. Ob er nicht doch mal etwas mehr in einem Ver­hör sagt. Und so wer­den wir eigent­lich in der Wider­stands­ge­schichte kon­fron­tiert mit exis­ten­ti­el­len Situa­tio­nen, die ganz abse­hen kön­nen vom poli­ti­schen Ziel, nicht abse­hen dür­fen von poli­ti­schen Prä­gun­gen durch Wertesysteme.

Ein kom­mu­nis­ti­scher Regime­geg­ner hat ein kla­res Wer­te­sys­tem. Die­ses Wer­te­sys­tem setzt ihn genau wie etwa den gläu­bi­gen Katho­li­ken oder dem über­zeug­ten Pro­tes­tan­ten in die Lage sich der Sogströ­mung der­je­ni­gen, die über ihn herr­schen wol­len, zu wider­set­zen. Er beruft sich auf Tra­di­tion, er schafft es sich mit die­sen Tra­di­tio­nen von den Sogströ­mun­gen sei­ner Zeit zu dis­tan­zie­ren. In Alter­na­ti­ven zu den­ken. #00:15:12.6#

Frank: Sozu­sa­gen als Anker­punkt sei­nes Wider­stands? #00:15:16.2#

Stein­bach: Ich würde nicht nicht nur sagen als Anker­punkt, son­dern eigent­lich sogar als Aus­gangs­punkt. Wer diese Fähig­keit einer eige­nen Wer­teo­ri­en­tie­rung nicht hat, wird nach 1933 den Natio­nal­so­zia­lis­ten immer aus­ge­lie­fert sein, wird leicht deren Wert­vor­stel­lun­gen über­neh­men kön­nen. Aber wer alter­na­tive Wert­vor­stel­lun­gen hat, der weiß es gibt eine Dif­fe­renz, eine Dif­fe­renz der Über­zeu­gung. Und aus die­ser Dif­fe­renz da kann dann genau der Wille zum kla­ren Blick, zum kla­ren Urteil erwach­sen. Dar­auf kommt es mir an. Und des­halb finde ich die­ses Ein­tei­len in Kate­go­rien viel­leicht unver­zicht­bar, […] weil wir Men­schen halt so den­ken, dass wir immer alles in Schub­la­den packen. #00:16:13.7#

Frank: Das macht es ja auch über­schau­ba­rer… #00:16:15.3#

Stein­bach: Es macht sie über­schau­ba­rer, es macht sie hand­hab­ba­rer, es macht sie leicht hand­hab­bar für die Tra­di­ti­ons­bil­dung. Aber wenn wir es ganz ernst neh­men, dann betrach­ten wir den Men­schen her­aus­ge­for­dert durch Ver­hält­nisse, die ihn auf­re­gen, die ihn krank machen, die ihn töten, die andere töten… […] und beob­ach­ten ihn in sei­ner inne­ren Ver­pflich­tung zur Auf­leh­nung. Wenn ich diese Dimen­sion nicht hätte, dann würde ich mich als Wider­stands­his­to­ri­ker mit einem Gegen­stand beschäf­ti­gen, wie 1000 ande­ren. Dann könnte ich auch die Geschichte der Bie­nen­zucht beschrei­ben, oder des Schmet­ter­ling­sam­melns oder des Pfei­ferau­chens. Das wäre ein Gegen­stand den ich zwei, drei Jahre erfor­sche und dann wende ich mich einem ande­ren zu. Nein, die Beschäf­ti­gung mit der exis­ten­ti­el­len Situa­tion, die Her­aus­for­de­rung des Ein­zel­nen gegen­über einem kri­mi­nel­len Staat, das ist eine Lebens­grund­lage, glaube ich, für die Ori­en­tie­rung in der Gegen­wart selbst. Weil wir ja per­ma­nent Zumu­tung beob­ach­ten, per­ma­nent zur Ent­schei­dung auf­ge­for­dert sind.
Inso­fern bin ich wirk­lich Abendroth-Schüler bis heute geblie­ben. […] Per­ma­nent vor Ent­schei­dung ste­hen. Das ist das, was mich als jun­ger Stu­dent an der Poli­to­lo­gie, die ich mit der­sel­ben Lei­den­schaft stu­diert habe wie die Neuere Geschichte. Ich wollte bei­des zusam­men­brin­gen und die­ser Schnitt­punkt, der war dann der Bereich in dem es um Mora­li­tät, um Ethik, um Ord­nungs­den­ken, um Ent­schei­dungs­be­reit­schaft, um Mit­mensch­lich­keit, um Selbst­be­haup­tung, ging. Also der Bereich des Wider­stan­des. Jetzt habe ich erst rela­tiv spät Ihre Ein­gangs­frage beant­wor­tet. #00:18:24.9#

Frank: Dafür aber sehr aus­führ­lich, das fand ich schon­mal ziem­lich gut. Den­ken Sie denn, dass sich die Art der Betrach­tung des Wider­stan­des in den letz­ten 50 Jah­ren ver­än­dert hat, ent­wi­ckelt hat? #00:18:36.4#

Stein­bach: Erheb­lich. Ein­mal haben die Natio­nal­so­zia­lis­ten das Bild des Wider­stan­des bestimmt und die deut­sche Nach­kriegs­ge­sell­schaft, vor allen Din­gen die west­deut­sche Nach­kriegs­ge­sell­schaft, hat die­ses Bild sehr häu­fig über­nom­men. Man sprach von Ver­rä­tern, ja, von Ver­rä­tern. Die­je­ni­gen, die treu zur Fahne stan­den, die das Haken­kreuz trug, mach­ten aus ihrer Pas­si­vi­tät, aus ihrem Kada­ver­ge­hor­sam gleich­sam eine Tugend, und muss­ten sich natür­lich über den Regime­geg­ner auf­re­gen, weil der Regime­geg­ner ja deut­lich machte, es gab eine Alter­na­tive zur Anpas­sung, näm­lich die Auf­leh­nung. Und das hält ein Mensch schlecht aus der sich per­ma­nent ein­re­det „wir hat­ten doch gar nichts ande­res” nötig! Wir konn­ten doch keine Befehle ver­wei­gern! Die hät­ten uns doch sofort an die Wand gestellt! Wir beru­fen uns auf den Befehls­not­stand und wenn das nicht gelingt, dann wer­den wir sagen wir hät­ten nichts gese­hen, wir hät­ten nichts gewusst, wir wären eigent­lich erst nach 1946/47 rich­tig mit geöff­ne­ten Augen durch die Gegend gegan­gen.” Was ja auch nicht stimmt, denn sonst hätte man ja nicht solange die natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewalt­ver­bre­chen mini­mie­ren oder gar leug­nen kön­nen. D.h. ein Regime­geg­ner ist ein Sta­chel im Fleisch der eige­nen Per­son, denn er zeigt alle die Lebens­lü­gen, die funk­tio­nie­ren ja gar nicht. #00:20:10.2#

Frank: Und wie lange hat die­ses Gefühl ange­hal­ten in der deut­schen Gesell­schaft? #00:20:14.0#

Stein­bach: Ich glaube das ist ein sehr, sehr schwie­ri­ger und lang­fris­ti­ger Pro­zess und da wird man auch über­haupt […] kein fixes Datum nen­nen kön­nen. Denn wenn Sie etwa sich ver­ge­gen­wär­ti­gen wie vor nicht ein­mal einer Woche über die Erklä­rung der Ver­trie­be­nen dis­ku­tiert wor­den sind, dann ent­zieht sich mir eigent­lich die Mög­lich­keit zu sagen eine Zäsur [habe statt­ge­fun­den]. Es gibt Wand­lung. Es gibt Wand­lung, die wir erklä­ren kön­nen. Ein ganz wich­ti­ger Erklä­rungs­fak­tor ist, das mag über­ra­schend klin­gen, die Tat­sa­che der deut­schen Tei­lung. Beide deut­schen Staa­ten beru­fen sich auf jeweils unter­schied­li­che Tra­di­tio­nen der Wider­stän­dig­keit und kon­fron­tier­ten den jeweils ande­ren Staat mit der eige­nen Tra­di­tion. Also die DDR bezog sich auf den kom­mu­nis­ti­schen Wider­stand… #00:21:07.5#

Frank: Rote Kapelle usw.…? #00:21:08.9#

Stein­bach: Auf die Rote Kapelle, auf Ein­zelne… und hin­derte des­halb die BRD daran, diese Berei­che zu ver­nach­läs­si­gen. Das wäre auf­ge­fal­len. Die wich­tige kom­mu­nis­ti­sche Wider­stands­for­schung fand hier in Mann­heim statt durch Her­mann Weber […], der die ers­ten Bücher zum Wider­stand schrieb. Die wich­tige Wider­stands­for­schung, die sich auf die klei­nen sozia­lis­ti­schen Brü­cken­par­teien bezog, hängt unwi­der­ruf­lich am Namen von Mar­burg. Das sind Arbei­ten die Wolf­gang Abend­roth ange­sto­ßen hat. Also er suchte ja immer nach einem drit­ten Weg zwi­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie und Kom­mu­nis­mus und kam dann auf die SDAP und auf [???] Müs­liso­zia­lis­ten und die Gruppe Neu Begin­nen und was weiß ich alles… so und umge­kehrt konnte die DDR auch den bür­ger­li­chen, den kirch­li­chen Wider­stand nicht von vorne her­ein ver­dam­men. Sie musste sich stel­len. Und unterm Strich – und das ist jetzt nicht die Hegel’sche List der Ver­nunft, die ich da beschwöre – kam im Grunde aus dem Gegen­ein­an­der der bei­den deut­schen Wider­standstra­di­tio­nen, Ost und West, dann so etwas her­aus wie die Bereit­schaft, die Gesamt­wür­di­gung des Wider­stan­des zu neh­men. Das griff nicht immer. Es gibt wirk­lich schwer dif­fa­mierte Grup­pen, z.B. Gruppe der Regime­geg­ner, die in der sowje­ti­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen­schaft sich gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus wan­den, die nicht in die Bun­des­wehr auf­ge­nom­men wer­den dürf­ten, die als NKFD, Anhän­ger Natio­nal­ko­mi­tee Freies Deutsch­land, Anhän­ger oder als Mit­glie­der des Bun­des deut­scher Offi­ziere gewis­ser­ma­ßen außer­halb des […] Kon­sen­ses stan­den. Man unter­stellte ihnen, sie hät­ten eigent­lich nur den Teu­fel Hit­ler mit dem Bel­ze­bub Sta­lin aus­rot­ten wol­len und über­sa­hen natür­lich ganz flei­ßig, dass die ganze Welt zu die­sem Zeit­punkt auf den Bel­ze­bub Sta­lin setzte. Chur­chill war mit ihm ver­bün­det, Roo­se­velt war mit ihm ver­bün­det und alle erhoff­ten sich einen töd­li­chen Schlag für die deut­sche Front im Osten durch Wider­stands­macht und –kraft der Roten Armee. #00:23:36.1#

Also was solls?! Wir lügen uns gewis­ser­ma­ßen häu­fig etwas in die Tasche, wenn wir diese ideo­lo­gi­sche Prä­gung des Kal­ten Krie­ges immer wie­der in die Geschichte rück[???]verlängern. Und vor die­sem Hin­ter­grund, ich sage es immer wie­der, ist es für mich unver­zicht­bar, ein inte­gra­les Wider­stands­ver­ständ­nis zu ent­wi­ckeln, das den Wider­stand aus den Gren­zen und Hori­zon­ten sei­ner eige­nen Zeit inter­pre­tiert und nicht nur nach unse­rer gegen­wär­ti­gen poli­ti­schen Oppor­tu­ni­tät. #00:24:10.6#

Frank: Könn­ten Sie auf die Wider­stands­gruppe noch ein­mal kurz zurück­kom­men, weil die war mir noch nicht bekannt. Also die auf Sei­ten der rus­si­schen Armee gekämpft, oder…? #00:24:20.2#

Stein­bach: Es gab […] Kriegs­ge­fan­gene in der ame­ri­ka­ni­schen, in der bri­ti­schen und auch in der sowje­ti­schen Kriegs­ge­fan­gen­schaft, die ein­deu­tig Regime­geg­ner waren und aus der Kriegs­ge­fan­gen­schaft her­aus ver­such­ten das Regime zu bekämp­fen. Das waren z.B. in ame­ri­ka­ni­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft die Men­schen um Alfred Andersch und andere, die spä­ter die Zeit­schrift „Der Ruf” grün­de­ten. Die waren so gefähr­det in der ame­ri­ka­ni­schen Kriegs­ge­fan­gen­schaft, dass die Ame­ri­ka­ner sie selbst wie­der in der Kriegs­ge­fan­gen­schaft abson­dern muss­ten, um sie vor ihren eige­nen deut­schen Kame­ra­den zu schüt­zen. #00:25:05.3#

Frank: Aber wo war denn das Akti­ons­feld — war das unter den Kriegs­ge­fan­ge­nen oder haben die nach Deutsch­land hin­ein­ge­wirkt? #00:25:10.7#

Stein­bach: Ein­mal […] in der Kriegs­ge­fan­gen­schaft ver­such­ten sie andere Kriegs­ge­fan­gene zu bewe­gen und zurecht­zu­rü­cken. Und zum ande­ren haben sie auch aus der Kriegs­ge­fan­gen­schaft — und ich sage es noch ein­mal — aus der ame­ri­ka­ni­schen, aus der bri­ti­schen und auch aus der sowje­ti­schen, zum Sturz des Regimes auf­ge­ru­fen. Sie haben Ziele for­mu­liert, die für die Zeit nach dem Zusam­men­bruch der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft gel­ten soll­ten. Diese Ziele waren wie­derum für die poli­ti­schen Regime­geg­ner im Innern unge­mein wich­tig, weil sie dar­aus ver­such­ten abzu­lei­ten die Ziel­vor­stel­lun­gen der Alli­ier­ten. D.h. auch das was die deut­sche Wider­stands­dis­kus­sion so lange nega­tiv belas­tet hat, näm­lich der Gegen­satz zwi­schen Immi­gra­tion, Exil — Kampf von außen — und Wider­stand — Kampf von Innen –, der war in die­sen Lebens­be­rei­chen völ­lig uner­heb­lich. Ein Risiko gin­gen die Kriegs­ge­fan­ge­nen, die sich von außen gegen das Regime wand­ten ein, stell­ver­tre­tend, denn ihre Ange­hö­ri­gen, die wur­den häu­fig von den Natio­nal­so­zia­lis­ten genauso behan­delt, wie spä­ter die Ange­hö­ri­gen der Regime­geg­ner des 20. Juli [1944]. Das haben dann wie­derum deren Ange­hö­ri­gen, also die Ange­hö­ri­gen der Regime­geg­ner des 20. Juli, über­haupt nicht so gerne gese­hen, dass sie da plötz­lich in einer Reihe mit Ange­hö­ri­gen stan­den, deren Väter im Natio­nal­ko­mi­tee Freies Deutsch­land angeb­lich Deutsch­land ver­ra­ten wür­den. #00:26:59.8#

Also, Sie mer­ken, wir sind hier in einem Knäuel von Ideo­lo­gien, von Ver­wick­lun­gen, die wir auf­drös­eln kön­nen, die wir nur kom­pli­ziert erklä­ren kön­nen und die sich dem leich­ten, raschen, recht­fer­ti­gen­den, ideo­lo­gi­sier­ten Urteil ent­zie­hen. #00:27:20.4#

Frank: Zu den Kriegs­ge­fan­ge­nen noch ein­mal ganz kurz: War die Aner­ken­nung ihrer Ver­dienste dann unter­schied­lich? Sie hat­ten vor­hin kurz gesagt, dass es auf der sowje­ti­schen Seite die Kriegs­ge­fan­ge­nen gab, die im Nach­hin­ein nicht aner­kannt wur­den. #00:27:36.0#

Stein­bach: Im Wes­ten. Im Osten mach­ten diese ost­deut­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen vom BdO und NKFD dann durch­aus Kar­riere, vor allen Din­gen nach­dem Mitte der 50er Jahre die Bun­des­wehr im Wes­ten und die Natio­nale Volks­ar­mee im Osten auf­ge­stellt wor­den war, ver­such­ten ja beide bewaff­ne­ten Mächte hüben und drü­ben wie­derum eine eigene Tra­di­tion zu bil­den. Die Bun­des­wehr ent­deckte den Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus, die NVA knüpfte an ver­diente Kund­schaf­ter des Vol­kes, auch so eine Ver­zeich­nung der Rea­li­tät. Mein­ten damit „ver­diente Kund­schaf­ter” — Spione — des Vol­kes und dif­fa­mierte, nach mei­ner Mei­nung, auf diese Weise nicht zuletzt selbst die Rote Kapelle, die nun wirk­lich auf­klä­ren wollte über […] die Rea­li­tät des Drit­ten Rei­ches, aber nicht pri­mär Spio­nage für die Sowjet­union leis­ten wollte.
Also, auch da ist ein­fach die wich­tige Auf­gabe, den Anfang der Wider­stän­dig­keit wirk­lich zu suchen und nicht immer aus den ideo­lo­gi­schen Ver­krus­tun­gen der Nach­kriegs­ge­sell­schaft ein Urteil zu fäl­len, dass sehr sehr viel aus­sagt über die Nach­kriegs­ge­sell­schaft aber ganz wenig über den Wider­stand. #00:29:09.9#

Frank: Wir haben jetzt schon mehr­fach die Rote Kapelle ange­spro­chen, könn­ten Sie dazu ein paar Worte sagen? Ich habe gehört dass es extrem hete­ro­gen gewe­sen sein soll, bei denen. #00:29:19.2#

Stein­bach: Da haben sie rich­tig gehört! Es ist eine außer­or­dent­lich kom­plexe Gruppe, die sich zunächst ein­mal von allen ande­ren Grup­pen durch den rela­tiv gro­ßen Anteil von weib­li­chen Regime­geg­nern aus­zeich­net. Wir fin­den viele Stränge — Künst­ler, Psy­cho­ana­ly­ti­ker, Ver­wal­tungs­be­amte, sogar Ange­hö­rige der NSDAP, ehe­ma­lige Kom­mu­nis­ten, Mit­ar­bei­ter der Zeit­schrift „Die Tat”, ebenso wie Mit­ar­bei­ter der kom­mu­nis­ti­schen „Roten Fahne” — die in die­sem Kreis zusam­men fin­den. Gebil­det wurde das Urteil die­ses Kreise vor allen Din­gen durch Nach­kriegs­pro­zesse in Deutsch­land. [???] Pro­zess war eine wich­tige Wei­chen­stel­lung. Dort hatte man einen der Haupt­ver­ant­wort­li­chen für die Ver­haf­tung und vor allen Din­gen für die Ver­ur­tei­lung und Hin­rich­tung die­ser Gruppe vor Gericht gestellt. Und wie ver­tei­digt man sich als Ange­klag­ter? Indem man behaup­tet, der­je­ni­gen über den man ein schand­ba­res Urteil gefällt hat, habe die­ses Urteil selbst ver­dient, denn er sei Lan­des­ver­rä­ter gewe­sen und er habe spio­niert und er habe letzt­lich dazu beige­tra­gen, dass die deut­sche Wehr­macht im Osten ganz schwere Nie­der­la­gen ein­zu­ste­cken hätte. Eine Schutz­be­haup­tung, die aber die Rea­li­tät über­haupt nicht trifft, denn wir wis­sen heute, kei­ner der Funk­sprü­che hat funk­tio­niert. Die Akti­vi­tät der Roten Kapelle kon­zen­trierte sich vor allem dar­auf, auch die deut­sche Gesell­schaft auf­zu­klä­ren, über die Ver­bre­chen. Sie hat­ten Bil­der, sie hat­ten Nach­rich­ten von der Front, von den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewalt­ver­bre­chen und woll­ten die in die deut­sche Gesell­schaft trans­por­tie­ren, um diese Gesell­schaft zu zwin­gen Rea­li­tät zu erken­nen, sich zu empö­ren um dann anschlie­ßend auch zu han­deln, indem man sich gegen das Regime stellte.
Das ist die­selbe Tak­tik, die wir auch bei der Wei­ßen Rose beob­ach­ten kön­nen, […] das ist die­selbe Tak­tik, die wir bei Wider­stands­grup­pen, bei Gesin­nungs­krei­sen fest­stel­len kön­nen. Immer diese ver­zwei­felte Hoff­nung: Wenn man den Deut­schen end­lich sagen kann, was natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Herr­schaft bedeu­tet, dann wer­den die sich schon auf­leh­nen, dann wer­den die schon Stel­lung zie­hen gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus. Das war viel­leicht eine Illu­sion. #00:32:06.9#

Frank: Hat­ten die denn dann auch irgend­wie Erfolge? #00:32:09.1#

Stein­bach: Ganz sicher­lich hat­ten sie Erfolge, denn sie gewan­nen Ein­zelne. Aber keine poli­ti­schen Erfolge. Wer mir ein­re­den will, der Wider­stand gegen die Natio­nal­so­zia­lis­ten gehörte zu den Bewe­gun­gen, die nun wirk­lich unend­lich viel bewirkt hät­ten, der muss sich eigent­lich die Gegen­frage gefal­len las­sen: Was denn? Wer hat denn Deutsch­land befreit? Es waren die Alli­ier­ten[???] Wer hat denn dazu beige­tra­gen dass weni­ger Tote im Krieg anfie­len? Bestimmt nicht der Wider­stand. Sein Blut­zoll war höher. His­to­risch gehört er ganz bestimmt zu den geschei­ter­ten Bewe­gun­gen. Nicht mora­lisch! Denn Regime­geg­ner wer­den dann nach einem Umschlag des Zivi­li­sa­ti­ons­bru­ches häu­fig gewür­digt, geehrt, … ja wie sieht ihre Kar­riere eigent­lich aus? Sie lan­det bei Stra­ßen­na­men, bei der Benen­nung von Plät­zen, bei Denk­mä­lern, bei Schul­be­nen­nun­gen, … viel­leicht bei Brief­mar­ken. Ein his­to­ri­scher Erfolg ist auch das nicht. Aber der Mora­li­sche ist, glaube ich, nicht genü­gend zu ach­ten, denn wir kön­nen uns in der Aus­ein­an­der­set­zung mit der Rea­li­tät, mit der Lebens­wirk­lich­keit der Regime­geg­ner durch­aus unse­ren Blick schu­len, durch­aus unser mora­li­sches Urteil schu­len, durch­aus fra­gen, was dazu gehört sich auf­zu­leh­nen. Wel­che Größe es geben muss. #00:33:49.3#

Frank: Ich stelle mir die per­sön­li­che Situa­tion von den Wider­stands­kämp­fe­rIn­nen extrem schwie­rig vor. Es muss ja ein enor­mer Druck eigent­lich, ein psy­chi­scher aber halt auch Angst gewe­sen sein, jeder­zeit auf­ge­deckt zu wer­den. Gibt es da Unter­su­chun­gen wie sie unter­ein­an­der damit fer­tig gewor­den sind und was das für Aus­wir­kun­gen hat. #00:34:18.8#

Stein­bach: Ich muss da nach­den­ken, denn Sie stel­len mir da eigent­lich eine Frage, die ich mir so noch nie gestellt habe, weil ich eigent­lich den sach­li­chen Hin­ter­grund für diese Frage bei mei­ner Beschäf­ti­gung mit Regime­geg­nern nie gespürt habe. Angst? Lebens­freude — ja, Lebens­hoff­nung — ja, aber dass sie aus Angst in die Pas­si­vi­tät aus­ge­wi­chen wären, nur um zu über­le­ben? Nein. […] Ich ver­trete eine ganz andere Situa­tion: Ich glaube, dass jeder, der sich gegen solch ein kri­mi­nel­les Regime wie gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus wen­det, eigent­lich muss der mit sei­nem Leben abge­schlos­sen haben. Diet­rich Bon­hoef­fer sagte [???] mal: „Wir sind schon tot. Wir sind schon viele Tode gestor­ben.” D.h. die fühl­ten sich wie Tod­ge­weihte.
Und das erklärt viel­leicht die Unab­hän­gig­keit, die Frech­heit, fast die Hei­ter­keit, die wir manch­mal beob­ach­ten, wenn wir diese Regime­geg­ner vor ihren Pei­ni­gern sehen. Ossietzky, Diet­rich Bonhoeffer’s ähnli­ches Bild: Er steht zwi­schen Gefan­ge­nen und einem Gefan­ge­nen­wär­ter und der der Gefan­ge­nen­wär­ter, der macht deut­lich „die­ser Häft­ling, die­ser Diet­rich Bon­hoef­fer, das ist der eigent­li­che Herr in unse­rem Kreis” […] und wir fin­den Regime­geg­ner, die den Rich­ter auslönz[???]ten. [???], ein Regime­geg­ner aus dem Umkreis des 20. Juli, der auf Freis­lers Aus­ruf „Sche­ren Sie sich zum Teu­fel”, sagte: „Ich gehe Ihnen nur vor­aus, Sie kom­men nach”… #00:36:09.9#

Oder eine Bal­lett­tän­ze­rin aus dem Kreis der Roten Kapelle, die zum Tode ver­ur­teilt wird und die in schal­len­des Geläch­ter aus­bricht, ja? D.h. also […] die Angst, die Sie anspre­chen, ist eigent­lich unsere klein­bür­ger­li­che, klein­li­che Lebens­angst, die wir auf Regime­geg­ner über­tra­gen. Da waren die längst dar­über hin­aus, sonst könn­ten wir deren Ver­hal­ten über­haupt nicht erklä­ren. Die­je­ni­gen, die stramm jedem Befehl folg­ten, die wach­sam waren, die sag­ten „Feind hört mit”, die den Block­wart spiel­ten, das waren die Ängst­li­chen, das waren die Schis­ser, die da im Grunde Füll­sel waren, nicht die ande­ren. #00:37:07.0#

Ich hab eigent­lich nie gespürt, auch in Gerichts­ver­hand­lun­gen, dass da einer der ange­klag­ten Regime­geg­ner um sein Leben win­selte oder bat. Es gibt mal eine Situa­tion vor Gericht, dass da einer der Ange­klag­ten bit­tet an die Ost­front zu kom­men um sich zu bewäh­ren und da lacht sich Freis­ler tot. „Glau­ben Sie das wirk­lich?” Und da kor­ri­giert der sofort seine Hand­lung und dann wackelt der nicht mehr. Auch das gehört zum Wider­stand dazu: Posi­tio­nen ein­zu­neh­men, Posi­tio­nen über­win­den, manch­mal sogar Posi­tio­nen zu über­win­den, die man ursprüng­lich ein­mal mit den Natio­nal­so­zia­lis­ten geteilt hat, weil man viel­leicht auch latent anti­se­mi­tisch war, viel­leicht auch den Ver­sailler Ver­trag ablehnte, viel­leicht auch die Lebens­lüge glaubte, dass Arbeits­lo­sig­keit, Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit die Mas­sen im natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sinne radi­ka­li­siert hätte. Die KPD zeigte ja, es wäre ja auch anders gegan­gen, eine ganz andere Radi­ka­li­sie­rung… #00:38:18.8#

Frank: Sie haben die KPD ange­spro­chen, das finde ich eigent­lich einen ziem­lich inter­es­san­ten Punkt… #00:38:23.3#

Stein­bach: Das freut mich… #00:38:26.2#

Frank: Im Nach­hin­ein betrach­tet hatte die KPD ja sehr viele Anhän­ger eigent­lich bis ’33, war sehr gut eigent­lich orga­ni­siert, und es hat mich immer ein biss­chen gewun­dert, dass es kei­nen wirk­lich orga­ni­sier­ten Wider­stand gab, wo dann die Nazis die Macht eigent­lich über­nom­men haben. #00:38:44.2#

Stein­bach: Es gab schon orga­ni­sier­ten Wider­stand, aber nicht in dem effek­ti­ven Sinne den Sie viel­leicht erwar­ten. Es gab sogar Orte in denen es einen Gene­ral­streik gab, um die Natio­nal­so­zia­lis­ten abzu­weh­ren. Aber es waren eben nur ein­zelne Orte… Wir müs­sen, glaube ich, auf die Dif­fe­ren­zie­rung der Arbei­ter­be­we­gun­gen schauen, um zu ver­ste­hen was da eigent­lich pas­sierte. #00:39:11.5#

Da waren die Gewerk­schaf­ten. Gewerk­schaf­ten sind eigent­lich immer Kom­pro­miss­rol­len[???], immer kom­pro­miss­be­reit, und set­zen eigent­lich auch dar­auf, dass man auch mit den­je­ni­gen, die man eigent­lich ja ablehnt, irgend­wann einen Kom­pro­miss kom­men soll. Also der gewerk­schaft­li­che Wider­stand ist nicht so breit wie die große Zahl von Gewerk­schafts­mit­glie­dern erwar­ten ließe. Es gibt da einige Gewerk­schaf­ter im Wider­stand, etwa Leu­sch­ner oder Kai­ser oder Haber­mann, also es gibt einen Gewerk­schaf­ter, häu­fig kom­men sie sogar aus katho­li­schen Arbei­ter­be­we­gung, die wir heute gar nicht mehr pri­mär als Gewerk­schafts­be­we­gung aner­ken­nen wol­len, weil es die eigent­lich kaum mehr gibt. Das andere sind die Sozi­al­de­mo­kra­ten, das waren so Sozi­al­de­mo­kra­ten, tref­fen sich im klei­nen Zir­kel und pfle­gen die Gesin­nung und sagen, „das geht irgend­wann hier mit dem Natio­nal­so­zia­list zu ende, und dann müs­sen wir klar sein, dann müs­sen wir klar sehen und dar­auf berei­ten wir uns vor, und wir wer­den ein Netz­werk bil­den und wir wer­den irgend­wie zusam­men­hal­ten und im aller­schlimms­ten Fall wer­den wir halt Kaf­fee aus dem Bauch­la­den ver­kau­fen und immer wie­der zu Gesin­nungs­freun­den[…] oder wir machen einen Koh­le­han­del auf…” also da gibt es viele Mög­lich­kei­ten. #00:40:45.5#

Und was machen die Kom­mu­nis­ten? Die setz­ten eigent­lich auf Wider­stand, auf mas­sen­haf­ten Wider­stand. Gin­gen auch mas­sen­haft zum Demons­trie­ren. Es war deren Wider­stand der anfäng­lich die meis­ten Opfer hatte, die größ­ten Opfer­zah­len, nur er wurde ange­lei­tet von Funk­tio­nä­ren, die sich auf die­sen Kampf vor Ort über­haupt nicht ein­lie­ßen. Son­dern die ihn ver­such­ten von außen zu steu­ern und des­halb immer wie­der von ihren wider­stands­be­rei­ten Genos­sen hör­ten: „Ihr seid doch über­haupt nicht in der Lage die Rea­li­tät des Drit­ten Rei­ches auch in der gan­zen Gefähr­lich­keit für uns ein­zu­schät­zen. Ihr schickt uns näch­tens auf die Markt­plätze, ihr ver­an­lasst uns, irgendwo Paro­len anzu­schrei­ben und wir ver­blu­ten hier.” Der kom­mu­nis­ti­sche Wider­stand brach im Grunde Mitte der 30er Jahre zusam­men, da roll­ten die Natio­nal­so­zia­lis­ten ihn sys­te­ma­tisch auf, führ­ten Schau­pro­zesse, die wir nie rich­tig sys­te­ma­tisch unter­sucht haben. Rich­tige Schau­pro­zesse, die Ter­ror verursachten.

Naja und dann musste ein anstän­di­ger Kom­mu­nist eigent­lich den aller stärks­ten Schlag ein­ste­cken, den er sich über­haupt vor­stel­len konnte: Die­ser Regime, die­ses natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Regime, das Kom­mu­nis­ten ver­folgte, weil es Bol­sche­wis­ten hasste, und Bol­sche­wis­ten eigent­lich für eine „Stei­ge­rung des Welt­ju­den­tums” hielt — in Anfüh­rungs­stri­chen –, die­ses Regime machte plötz­lich mit Sta­lin einen gemein­sa­men Pakt am 23. August 1939 und teil­ten Europa auf. Und teil­ten Ost– und Mit­tel­eu­ropa im Grunde auf.

Das war für die Kom­mu­nis­ten ein unglaub­li­cher Schlag, der aller­dings eine sehr, sehr posi­tive Folge hatte: Denn nun ent­stan­den kom­mu­nis­ti­sche Wider­stands­be­we­gun­gen, die nicht mehr auf das Exil hör­ten, die nicht mehr auf Ulbricht, auf Pieck, andere hör­ten, son­dern die im Grunde so einen national-kommunistischen Wider­stand orga­ni­sier­ten und der war effi­zi­ent. Das waren die Grup­pen um Uhrig, um Saef­kow, um Bäst­lein, das waren Wider­stands­grup­pen, die wir dann im Wes­ten, in der der kom­mu­nis­ti­schen Wider­stands­for­schung wirk­lich erst durch Her­mann Weber und Wolf­gang Abend­roth und seine Schü­ler sehen gelernt haben. Aber das waren eigent­lich Grup­pen, die sich nicht von außen lei­ten lie­ßen und die wer­den dann wie­derum für den mili­tä­ri­schen Wider­stand im Umkreis des 20. Juli unge­mein inter­es­sant, weil die­ser Wider­stand ja ein Wider­stand ohne Volk war. […] Es war ja eine reine Elite, die da aus der Spitze des Staa­tes her­aus den Umsturz pro­bierte. […] Die natür­lich mit Kom­mu­nis­ten, mit Sozi­al­de­mo­kra­ten, mit der katho­li­scher Arbei­ter­be­we­gung und mit Gewerk­schaf­ten ver­suchte aus dem Wider­stand ohne Volk ein Wider­stand aus dem Volk wer­den zu lassen.

Dazu brauch­ten sie aber das [???] dass es andere gab, die sehr, sehr klar waren, zeigt ein Regime­geg­ner wie Johann Georg Elser, ein Schrei­ner, der zu han­deln wusste, der kon­se­quent war, der alles ris­kierte, ein idea­ler Regime­geg­ner, […] in durch­aus nor­ma­len Ver­hält­nis­sen, nicht aka­de­misch gebil­det, viel­leicht des­halb gerade prä­des­ti­niert zum Wider­stand, denn kluge Leute, hat der katho­li­sche Theo­loge Karl Hanerma[???] gesagt, haben es bekannt­lich sehr ein­fach, feige zu sein. Elser war nicht feige […] und ver­kör­perte in sei­nem Den­ken ein Kon­glo­me­rat von Anar­chis­mus, Kom­mu­nis­mus, Pie­tis­mus, alles mobi­li­sierte er um den Natio­nal­so­zia­lis­ten nicht auf den Leim zu krie­chen. Da war er viel wei­ter, als man­che der Ange­hö­ri­gen der bür­ger­li­chen Ver­wal­tungs­eli­ten, des Mili­tärs, die rela­tiv lange Ziele ver­folg­ten, die sie mit den Natio­nal­so­zia­lis­ten teil­ten und erst rela­tiv spät rea­li­sier­ten, dass der natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Krieg den Bestand der Nation wirk­lich in Frage stellte. #00:45:27.6#

Frank: Sie waren ja auch ziem­lich dicht dran, eigent­lich, Erfolg zu haben. Also 20 Minu­ten, glaube ich,… #00:45:33.0#

Stein­bach: Nicht mal, Sie rech­nen hoch! Es waren nicht ein­mal zehn Minu­ten. [???] Es war ein rei­ner, rei­ner Zufall. Nein Johann Georg Elser war der erste, der dem Ziel, Hit­ler zu töten, denk­bar nah gekom­men war. Etwa fünf Jahre vor Stauf­fen­berg, was des­sen Leis­tung durch­aus nicht schmä­lert. […] Also das war der Anschlag im Mün­che­ner Bürgerbräukeller #00:46:05.2#

Frank: Einen wich­ti­gen Punkt noch: Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass zwar neben dem aka­de­mi­schen Wider­stand, wie z.B. bei der Roten Kapelle, oder halt auch wie bei Herrn Elser, das eher so Bewe­gun­gen von unten her­aus waren und die Bewe­gung des 20. Juli, war eher so ein Ding von ganz oben. Ich hatte da in der Rezep­tion immer das Gefühl, dass das noch ein­mal “ne Ret­tung auf letz­ter Sekunde war, von der Füh­rungs­elite eigent­lich. Könn­ten Sie dar­auf noch ein­mal ein­ge­hen? #00:46:37.1#

Stein­bach: Ja, aber gerne. Dar­über hat man auch nach dem Krieg dann lange nach­ge­dacht. […] Man hat gesagt die­ser Anschlag von Stauf­fen­berg sei dil­let­tan­tisch und zu spät erfolgt, dar­auf spie­len Sie an. #00:46:47.6#

Man hat dabei über­se­hen, dass bereits seit 1938 sich ein wenig ein Netz­werk bil­det, von Mili­tärs, von Abwehr­leu­ten, von Ver­wal­tungs­be­am­ten, die fast ähnlich kom­plex zusam­men­ge­setzt sind wie der Kreis­lauer Kreis. Es sind auch unter­schied­li­che Strö­mun­gen und Rich­tun­gen die zusam­men kom­men. 1938 — da war eigent­lich klar, dass Hit­lers Herr­schaft auf den Krieg zielt. Im Novem­ber 1937 hatte er [???] das Hoß­bach Pro­to­koll, seine Kriegs­ziele deut­lich gemacht, hat er gesagt wir wol­len ein Ost­im­pe­rium haben, wir wol­len den Kom­mu­nis­mus end­gül­tig besie­gen und wir wol­len in Europa herr­schen und wir wol­len eigent­lich auch über Europa hin­aus herr­schen, Kolo­nien, usw.… Es war klar das führt zum Krieg und den Mili­tärs war klar, mit dem Rüs­tungs­stand, den Deutsch­land damals hatte, ist die­ser Krieg nicht zu gewin­nen. #00:47:54.3#

Also was macht man? Ent­we­der man ver­sucht die Geg­ner Hit­lers und außen­po­li­ti­schen Mächte — Eng­land, Frank­reich, vor allen Din­gen Eng­land — so zu beein­flus­sen, dass sie eine ganz, ganz harte Hal­tung gegen­über Hit­ler demons­trie­ren. Ist das schon Wider­stand?! Kann man dis­ku­tie­ren, ja? Sie ver­su­chen im Grunde von außen Druck zu machen, um das Risiko des Schei­terns im Innern deut­li­cher zu machen. Andere spie­len in die­ser Zeit bereits mit dem Gedan­ken Hit­ler aus­zu­schal­ten. Zu [beach­ten???] der Kreis um Dohn­anyi, um Oster, der Kreis in den auch spä­ter Bon­hoef­fer hin­ein­ge­riet, das ist der Kreis um die Abwehr. […] Und dann kommt eigent­lich die Kata­stro­phe von Mün­chen, 1938 im Sep­tem­ber, zwei Monate spä­ter bren­nen in Deutsch­land die Syn­ago­gen… #00:48:54.8#

Frank: Sie mei­nen das Zuge­ständ­nis, dass sie das Sude­ten­deutsch­land… #00:48:58.1#

Stein­bach: …Sude­ten­land und im Grunde damit ja auch die Rest-Tschechei dann irgend­wann… und Deutsch-Österreich sich ein­ver­lei­ben. D.h. also es kommt zu die­ser ter­ri­to­ria­len Expan­sion. Und diese Erfolge, das fas­zi­niert die Deut­schen und das fas­zi­niert auch den Wider­stand, läh­men den Wider­stand. Und so kommt es eigent­lich immer wie­der zu einem stän­di­gen Auf und Ab. Es ist keine Kon­ti­nui­tät in die­ser Wider­stands­be­we­gung drin. Erst 1942/43 for­miert sich wie­der ein mili­tä­ri­scher Wider­stand, der die mili­tä­ri­sche Kata­stro­phe kom­men sieht. #00:49:51.2#

Frank: Also war das so ein biss­chen ori­en­tiert ein­fach daran, wie erfolg­reich Hit­ler letzt­end­lich mit sei­ner Poli­tik war. Weil nach Mün­chen hatte er ja Erfolg, dann geht’s wie­der run­ter… #00:50:00.9#

Stein­bach: Viele sind fas­zi­niert, nicht alle. Zum Bei­spiel die Mit­glie­der des Krei­sauer Krei­ses sagen im Som­mer 1940, auf dem Höhe­punkt eigent­lich von Hit­lers Fas­zi­na­tion, nach dem Sieg über Frank­reich, das geht nicht gut, wir müs­sen über Alter­na­ti­ven nach­den­ken — auch das gab es. D.h. […] je tie­fer wir eigent­lich in diese Wider­stands­ge­schichte ein­drin­gen, umso deut­li­cher müs­sen wir uns klar machen: Es gibt keine roten Linien, es gibt keine Kon­ti­nui­tä­ten, […] das ist blöd, weil natür­lich ein His­to­ri­ker unheim­lich gerne in Kon­ti­nui­tä­ten denkt, häu­fig kon­stru­iert er sie. Und das nun ein His­to­ri­ker nun im Wider­stand sagen muss: „Wie­der abge­bro­chen, wie­der Köpfe aus­ge­wech­selt, wie­der einige aus­ge­schie­den, wie­der den Einen oder Ande­ren gekauft… ” das war so. Und ich kann ja als His­to­ri­ker die Rea­li­tät auch nicht schön reden. Damit muss ich wer­ben und komme dann im Grunde 1941/42 auf diese Denk­schrif­ten von [???], völ­lig unab­hän­gig noch von den Über­le­gun­gen die dann auf den 20. Juli zu rei­ßen. Eigent­lich will man die NS-Führung beein­flus­sen und den Kurs der Poli­tik bestim­men. Ja, ist das Wider­stand oder ist das Denk­schrif­ten auf Posi­tion?! […] #00:51:33.2#

Aber viel­leicht müs­sen wir ja auch gar nicht immer so bewer­ten. Viel­leicht müs­sen wir zunächst ein­mal zur Kennt­nis neh­men. Dann kom­men wir natür­lich dar­auf, dass die aus den Hori­zon­ten ihrer Zeit argu­men­tier­ten. Ich sagte schon, Anti­se­mi­tis­mus war denen nicht fremd. Über­heb­lich­keit gegen­über den ost­eu­ro­päi­schen Völ­kern, gegen­über den Polen, war denen nicht fremd. Damit müs­sen wir wer­den. In dem Moment wo wir Bil­der der Ver­gan­gen­heit schö­nen, neh­men wir eigent­lich den­je­ni­gen, die sich auf­lehn­ten und die diese Posi­tion gerade über­wand­ten, ihre Würde und ihre Leis­tung. #00:52:16.4#

Und das gilt auch für Stauf­fen­berg. Natür­lich war er ein Kind sei­ner Zeit, natür­lich war er Nutz­nie­ßer der Auf­rüs­tung. Es gab unglaub­li­che mili­tä­ri­sche Kar­rie­ren, die man machen konnte und […] Stauf­fen­berg ist inner­halb weni­ger Jahre, vom Leut­nant zum Ober­leut­nant, zum Haupt­mann, zum Major, zum Oberst­leut­nant, und dann schließ­lich zum Oberst gewor­den. Gene­ral war er ja nie. Oberst — das ist also ein rela­tiv mäßi­ger, hoher mili­tä­ri­scher Rang, denn dar­über gibt es noch einige andere Stu­fen, Gene­rals­ränge, die man ver­tre­ten kann. Natür­lich schrieb er sei­ner Frau über die furcht­ba­ren Zustände in Polen und das war nicht Polen-freundlich und natür­lich regte er sich über­haupt nicht auf — jeden­falls haben wir keine Hin­weise dafür — dass es da eine anti-semitische poli­ti­sche Pra­xis gab. Irgend­wann ja, aber nicht zu dem Zeit­punkt den wir eigent­lich erwar­ten. Denn was wür­den wir eigent­lich heute erwar­ten? Dass man am 9. Novem­ber 1938 ange­sichts der bren­nen­den Syn­ago­gen und ange­sichts der zig Tau­send ver­haf­te­ten Juden zutiefst empört ist und den ver­bre­che­ri­schen Cha­rak­ter des Regimes genau erkennt. Es war nicht so. Und ich habe keine andere Mög­lich­keit als ein­fach das hin­zu­neh­men und zu erklä­ren. #00:54:06.6#

Frank: Sie haben gerade gesagt: Sie waren nicht — oder: das deut­sche Volk war nicht — empört. War es denn dann begeis­tert dazu, oder waren die dann ein­fach oppor­tun… #00:54:14.8#

Stein­bach: Es regte sich – also ich will jetzt mal zynisch mei­nen –, es regte sich dar­über auf, dass so rela­tiv viele Sach­werte ver­nich­tet wor­den waren. Aber da müs­sen wir uns jetzt wirk­lich nichts vor­ma­chen… Es tut mir wirk­lich leid. Es wär schön, es wär auf­ge­regt gewe­sen, es wär schön es hätte eine arti­ku­lierte Scham gege­ben, nicht nur so diese stumme [Scham]. Aber das was wir hier ja wenige — zwei — Jahre spä­ter bei der Depor­ta­tion der Juden aus Baden und aus der Pfalz erle­ben, macht eigent­lich deut­lich, dass die zurück­ge­blie­be­nen Deut­schen — die sog. Arier — sich sehr, sehr gerne an dem Besitz der depor­tier­ten Juden berei­chert haben. Nicht „nur ari­siert” haben im wirt­schaft­li­chen Bereich, son­dern auch im all­täg­li­chen Bereich: Mal “ne bil­lige Schürze, mal “nen bil­li­gen Tisch, bil­lige Socken, bis hin zu „preis­wer­ten”, für Pfen­nige erstei­gerte Unter­ho­sen. Alles fin­den wir in den Pro­to­kol­len. Nein, die Empö­rung war nicht so groß. #00:55:17.6#

Frank: Mich hat bloß immer irri­tiert, dass das Reichs­kris­tall­nacht genannt wurde, obwohl es ja eigent­lich ein Pogrom war. Und ich hab irgend­wie immer gedacht, dass das viel­leicht ein biss­chen Iro­nie war, oder so? #00:55:30.3#

Stein­bach: Wir wis­sen bis heute nicht genau, woher die­ser Begriff kommt. Ich weiß nur, dass ich ihn nie ver­wen­den würde und ver­mut­lich noch nie ver­wen­det habe. Für mich war es das Novem­ber­po­grom, das Par­tei­po­grom, das Mas­sen­po­grom, […] der Syn­ago­gen­sturm. Wir haben ganz viele Begriffe um das zu beschrei­ben und wir müs­sen nicht so einen ver­nied­lich­ten Begriff wie „Reichs­kris­tall­nacht” ver­wen­den, obwohl es da auch wie­der Kol­le­gen gibt, die sagen das ist eigent­lich auch nur ein iro­ni­sie­ren­der Begriff. Ich weiß es nicht. Ich habe mich nur ent­schie­den, die­sen Begriff strei­che ich aus mei­nem Argu­men­ta­ti­ons­haus­halt. #00:56:12.8#

Frank: Gut. Das hat mich bloß immer ziem­lich irri­tiert. Wie hat der Staat eigent­lich auf diese Wider­stands­kämp­fer rea­giert und was waren seine Mit­tel, gegen ihn [den Wider­stand] zu kämp­fen? #00:56:27.5#

Stein­bach: Also er hatte, ich glaube, zwei wich­tige Instru­mente: Zum einen die Denun­zia­ti­ons­be­reit­schaft der Deut­schen. Die deut­sche NS-Gesellschaft war eine Denun­zia­ti­ons­ge­sell­schaft. Und zum ande­ren die Gestapo, die nun kei­nes­wegs diese flä­chen­de­ckende Ter­ror­or­ga­ni­sa­tion war, als die wir sie uns heute vor­stel­len. Es war ein rela­tiv klei­ner Appa­rat. Aber, ein Karls­ru­her His­to­ri­ker — Michael Stolle — hat das mal nach­drück­lich zei­gen kön­nen: Die­ser kleine Appa­rat der Gestapo war in der Lage den gesam­ten Poli­zei­ap­pa­rat urplötz­lich und blitz­schnell für seine eige­nen Ziele zu mobi­li­sie­ren. Dadurch kam die­ser Ein­druck der all­mäch­ti­gen Ter­ror­or­ga­ni­sa­tion auf. Und das wei­tere Ele­ment, dass man ablei­ten muss, waren die Gefäng­nisse, die [???] Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger, die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger, die Öffent­lich­keit des Ter­rors. Die­ser Ter­ror, der aus­ge­übt wurde, Schau­fahr­ten, die man mit Regime­geg­nern gemacht hat — man setzte sie in einen Wagen und fuhr sie durch die Stadt, man prü­gelte sie durch die Stadt, man hängte ihnen ein Schild um, um sie zu dif­fa­mie­ren, wir spre­chen von regel­rech­ten Schau­fahr­ten mit 30., 40., 50.000 Zuschau­ern in den Städ­ten. Die­ser Ter­ror lebte natür­lich auch und die­ser Ter­ror der Natio­nal­so­zia­lis­ten zielte immer auf Öffent­lich­keit und zielte immer auf Pro­duk­tion von Anpas­sung und Fol­ge­be­reit­schaft, von Kada­ver­ge­hor­sam. Das macht den Wider­stand ja so beson­ders: Dass er vor die­ser Folie der brei­tes­ten Anpas­sung, der brei­tes­ten Zurück­hal­tung, sich ent­fal­tet und auch gese­hen und gedacht wer­den muss. Und ich glaube, Denun­zia­ti­ons­be­reit­schaft ist durch­aus eine Überein­stim­mung, da soll­ten wir uns gar nichts vor­ma­chen. Die Natio­nal­so­zia­lis­ten haben in vie­lem den Zie­len der dama­li­gen Men­schen ent­spro­chen. #00:58:43.7#

Frank: Inwie­fern zum Bei­spiel? #00:58:47.3#

Stein­bach: Par­ti­ell ent­spro­chen: Sie haben die Volks­ge­mein­schaft pro­pa­giert, sie haben […] Frei­zeit­an­ge­bote gemacht, sie haben außen­po­li­ti­sche Erfolge vor­ge­wie­sen, […] die Ent­mi­li­ta­ri­sie­rung des Rhein­lan­des wurde auf­ge­ho­ben, die Wehr­pflicht wurde ein­ge­führt, die […] Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen wur­den ein­ge­stellt, es gab Arbeits­pro­gramme, […] zusätz­li­che Ver­haf­tun­gen ver­knapp­ten das Arbeits­an­ge­bot noch mehr. Die Deut­schen hat­ten das Gefühl der Lebens­stan­dard steigt im Ver­gleich zu der Wei­ma­rer Zeit. Also es gibt eigent­lich über­haupt kei­nen Grund zu bezwei­feln, dass viele der Deut­schen von den Natio­nal­so­zia­lis­ten fas­zi­niert waren und deren Poli­tik teil­ten. Es war nicht der Ter­ror­staat, da hat ein His­to­ri­ker wie Götz Aly völ­lig recht, wenn er sagt, eigent­lich mobi­li­sier­ten die Natio­nal­so­zia­lis­ten auf Zustim­mung und Begeis­te­rung. #00:59:56.5#

Frank: Hat sich der Wider­stand ver­än­dert mit dem Weg­fall der SA? Also, nicht der Wider­stand des Staa­tes son­dern sozu­sa­gen die Ver­fol­gung von Wider­ständ­lern? #01:00:08.5#

Stein­bach: Sie spie­len auf den Rück­putsch an, den sog. Rück­putsch. Der ist eigent­lich ganz wich­tig, weil man mit die­ser Aus­schal­tung der SA die Wehr­macht […] in den Griff bekommt und eigent­lich das vor­be­rei­tet, was Hit­ler dann mit der Über­nahme fak­tisch des Amtes des Kriegs­mi­nis­ters über­nimmt. Er ist auch der Füh­rer der Wehr­macht gewor­den. D. h. also er schal­tet die ein­zige Macht, die ihm hätte kri­tisch wer­den kön­nen, 1938 in einer Krise, aus. […] Und führt im Grunde die Wehr­macht wie eine nach­ge­ord­nete Par­tei­ab­tei­lung und macht den Chef des Ober­kom­man­dos der Wehr­macht, Kei­tel, zu sei­nem Lakaien. Des­halb sprach man ja auch sehr gerne von „La-Keitel”. #01:01:12.4#

Frank: [lachen] Das hab ich jetzt auch noch nicht gehört. #01:01:16.3#

Stein­bach: Na gut man lernt nie aus. #01:01:19.3#

Frank: Gut, zum Abschluss würde ich Sie gern noch fra­gen, wo Sie Lücken in der For­schung sehen, gerade halt in die­sem Bezug auch in der Rezep­tion von heute? #01:01:28.8#

Stein­bach: Ich glaube wir sind heute bei den The­men der poli­ti­schen Bewer­tung des Wider­stands durch. Wir haben seit 1982 in Ber­lin mit der Gedenk­stätte Deut­scher Wider­stand gegen durch­aus hef­tige Wider­stände ein inte­gra­les Ver­ständ­nis von Wider­stand eta­bliert; Wider­stands­ge­schichte ohne Exil, ohne Kom­mu­nis­ten, ohne Anar­chis­ten, ohne […], ohne Jugend­li­che Bünde, ohne Natio­nal­ko­mi­tee Freies Deutsch­land, ist seriös nicht mehr zu beschrei­ben. Ich glaube da haben wir eine ganze Menge bewegt und glau­ben Sie mir, es waren wirk­lich zum Teil hef­tige geschichts­po­li­ti­sche Wider­stände die dabei zu über­win­den waren. #01:02:19.5#

Aber: Sie frag­ten mich ja nach den offe­nen The­men. Und ich glaube wir haben viel zu lange gebraucht um das Thema der Deser­tion ange­mes­sen zu bear­bei­ten und wir sind noch lange nicht am Ende bei der Bewer­tung des All­tags­wi­der­stan­des, bei der Erfor­schung der sog. „stil­len Hel­fer”, der unbe­sun­ge­nen Hel­den, also der Men­schen, die situa­tiv bedroh­ten Mit­men­schen, die lebens­ge­fähr­lich leb­ten — Juden, Sinti und Roma, die ver­folgt wur­den –, diese Geschichte haben wir noch nicht auf­ge­ar­bei­tet und die wäre aus his­to­risch, poli­tisch, päd­ago­gi­schen Grün­den so beson­ders wich­tig, weil sich in die­sem all­täg­li­chen Wider­stand natür­lich das grei­fen lässt, was wir aus historisch-politischen Grün­den immer von der Beschäf­ti­gung mit dem Wider­stand for­dern, näm­lich Zivil­cou­rage. #01:03:18.3#

Frank: Letzt­end­lich ist dadurch die For­schung aktu­el­ler denn je. #01:03:22.8#

Stein­bach: Ich glaube diese For­schung bleibt und wenn Sie ein­fach mal rum­schauen, in der Welt, wenn Sie mal Fra­gen wel­che Gestal­ten deut­scher Geschichte eigent­lich frag­los akzep­tiert wer­den, dann lan­den Sie sehr, sehr häu­fig bei Regime­geg­nern. Ob das Arvid Har­nack und Harro Schulze-Boysen von der Roten Kapelle, Diet­rich Bon­hoef­fer, ob das Alfred Delp, der Jesui­ten­pa­ter, ob das die Geschwis­ter Scholl, ob das ein Johann Georg Elser ist, ob das ein Stauf­fen­berg ist… und da braucht man nicht nur einen Spiel­film mit Tom Cruise um ihn öffent­lich bekannt zu machen — das war er schon vor­her. Dann ver­kör­pert sich da durch­aus ein Geschichts­bild, dass auch andere in der eige­nen Ein­schät­zung von Hand­lungs­spiel­räu­men beein­flusst. Man­dela ist ohne Bon­hoef­fer nicht denk­bar. […] Die Weiße Rose hat durch­aus Wider­stands­ak­tio­nen in Ost-/Mitteleuropa beein­flusst, den [???]ber­ger Kreis. D.h. eigent­lich kön­nen wir den Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus nicht mehr inter­pre­tie­ren als ein wich­ti­ges Ereig­nis des deut­schen Natio­nal­staa­tes, son­dern es ist ein Ver­such, viel­leicht ein gerin­ger Ver­such der Deut­schen, auch einen Bei­trag zur Geschichte des Wider­stands und der Men­schen­rechte zu leis­ten. Und da strahlt die­ses Thema durch­aus aus und beein­flusst andere. Und des­halb denke ich hat die Wider­stands­ge­schichte inter­na­tio­nal auch solch eine hohe Repu­ta­tion. Und für mich ist das tröst­lich, weil ich natür­lich weiß, dass viele natür­lich kon­kret aus den Hori­zon­ten und Ver­en­gun­gen ihrer Zeit han­del­ten. Stauf­fen­berg war nicht der lupen­reine Demo­krat, den wir auf dem Boden des Grund­ge­set­zes sehen. Aber: Er ver­stand es, sich auf­zu­leh­nen. Er ver­stand es Unrecht zu erken­nen. Er ver­stand es ein ver­bre­che­ri­sches Regime zu durch­schauen. Das ist ja der aller­erste Schritt. Und wir haben inzwi­schen viele Bei­spiele: Mar­tin Luther King, z.B., ohne Bon­hoef­fer nicht denk­bar, wirk­lich nicht denk­bar… So und ich denke das ist ein wei­te­res Thema der Wider­stands­ge­schichte, im Grunde die Rezep­tion, der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Wider­stand in den Blick zu neh­men. Und da bin ich eigent­lich ganz froh, dass Sie mir die Mög­lich­keit geben, ein immer wich­ti­ger wer­den­des Medium unse­rer poli­ti­schen Kom­mu­ni­ka­tion auch zu nut­zen um für die­ses Anlie­gen zu wer­ben. #01:06:56.6#

Ich glaube das Pod­cast eines der wich­ti­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien wird, die wir haben, ein wich­ti­ger Aus­tausch, der ja auch zu hof­fent­lich dann Reak­tio­nen und Kom­men­ta­ren ein­läd und so eine Dis­kus­sion in Gang bringt. #01:07:19.5#

Frank: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

5 Comments

  • Awournos wrote:

    Hallo Frank,

    mir hat der Pod­cast sehr gut gefal­len.
    Gerade weil ich mich vor­her noch nicht mit der Wider­stands­for­schung beschäf­tigt habe, hat der Pod­cast viele Anre­gun­gen zum Wei­ter­den­ken gege­ben.
    Ich bin schon sehr gespannt auf die fol­gen­den Aus­ga­ben des Homo Historicus!

    Anders als ich es erwar­tet habe, wurde nicht ein­fach die Akteure des Wider­stan­des abge­klap­pert. Statt­des­sen macht Stein­bach die Idee des Wider­stan­des klar. D.h. wie kann Wider­stand ent­ste­hen und was bedeu­tet dies für den/die Wider­stands­kämp­fe­rIn? Auch ist inter­es­sant, dass Wider­stand geschicht­lich betrach­tet auch immer als Vor­bild für fol­gen­den Wider­stand wirkt.
    Gerade des­halb sei die Wider­stands­for­schung so brisant..

    Etwas schade fand ich, dass nicht durch­gän­gig inklu­sive Spra­che ver­wen­det wurde. Ins­ge­samt wurde das Thema Gen­der nicht erwähnt.
    Ich könnte mir vor­stel­len, dass gerade eine Gen­der­per­spek­tive in der Wider­stands­for­schung inter­es­sante Ergeb­nisse lie­fern könnte.
    Zudem wirkt es sonst so als wäre Menschheitsgeschichte=Männergeschichte…

  • sascietto wrote:

    Vie­len Dank für den Pod­cast, der sehr infor­ma­tiv und anre­gend war. Ich freue mich schon sehr auf wei­tere.
    Eine kleine Anmer­kung zu den Notes: der Link zum Krei­sauer Kreis führt zur Wiki­seite von Georg Elser.
    Hier der Link zur Wiki­seite zum Krei­sauer Kreis: http://de.wikipedia.org/wiki/Kreisauer_Kreis

    Viele Grüße
    Sascietto

  • Oh, vie­len Dank! Hab den Link korregiert.

  • […] The­men und wer diese nicht hören möchte oder kann, hat die Mög­lich­keit zu min­des­tens den ers­ten Bei­trag zu lesen (ich weiß  das wirk­lich zu schät­zen, Tran­skripte sind so eine mühe­volle Arbeit!). Ich […]

  • Vie­len Dank, die vie­len neuen und inter­es­san­ten Dis­kus­sio­nen haben die Audi­o­qua­li­tät wie­der wett gemacht.

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